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Cannabis-Rezept online: was du wissen solltest

Fragebogen ausfüllen, Rezept bekommen, Lieferung nach Hause: So werben viele Plattformen für Cannabis auf Rezept. Was erlaubt ist, was Gerichte dazu entschieden haben und worauf du achten solltest.

So funktioniert ein Online-Rezept

Auf den Plattformen füllst du einen Fragebogen zu deinen Beschwerden aus, manchmal folgt ein kurzes Videogespräch. Eine Ärztin oder ein Arzt stellt danach ein Rezept aus, meist ein Privatrezept, und eine Versandapotheke schickt die Blüten nach Hause. Die Kosten trägst du selbst: Getrocknete Blüten zahlt die gesetzliche Krankenkasse seit dem 30. Juli 2026 nicht mehr.

Was heute erlaubt ist

Medizinalcannabis ist ein verschreibungspflichtiges Arzneimittel. Es regelt das Medizinal-Cannabisgesetz, verschrieben wird es auf einem normalen Rezept, abgegeben nur in Apotheken. Ob vor dem ersten Rezept ein persönlicher Kontakt nötig ist, sagt das Gesetz bisher nicht ausdrücklich.

Das will die Bundesregierung ändern: Blüten sollen nur noch nach persönlichem Kontakt in der Praxis oder beim Hausbesuch verschrieben und nicht mehr verschickt werden (Gesetzentwurf, Drucksache 21/3061). Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann sagte am 15. September 2026: „Konsumcannabis auf Knopfdruck per Versandhandel, das hat nichts mehr mit Gesundheitsversorgung zu tun.“ In der Koalition ist das Versandverbot umstritten, beschlossen ist der Entwurf noch nicht (Stand: 20. Oktober 2026).

Was Gerichte zur Werbung entschieden haben

Für verschreibungspflichtige Arzneimittel darf nur bei Fachleuten geworben werden, nicht bei Verbraucherinnen und Verbrauchern (§ 10 Abs. 1 Heilmittelwerbegesetz). Auch für Behandlungen ohne eigene Untersuchung, also Fernbehandlung, darf nur in engen Grenzen geworben werden (§ 9 Heilmittelwerbegesetz).

  • Der Bundesgerichtshof hat am 26. März 2026 entschieden, dass eine Online-Vermittlungsplattform gegen das Werbeverbot verstoßen hat. Das Urteil ist rechtskräftig (Az. I ZR 74/25).
  • Das Landgericht München I hat einer Plattform die Werbung für Cannabis-Rezepte per Fernbehandlung untersagt (2. Juni 2025, Az. 4 HK O 11377/24, nicht rechtskräftig), das Landgericht Hamburg sah bei einer anderen Verstöße gegen beide Vorschriften (11. März 2025, Az. 406 HKO 68/24, Berufung eingelegt).
  • Nach einem Urteil des Landgerichts Düsseldorf haftet auch eine Versandapotheke, die mit einer solchen Plattform zusammenarbeitet, und darf deren Rezepte ohne persönlichen Arztkontakt nicht beliefern (23. April 2026, Az. 37 O 55/25, nicht rechtskräftig).

Die Bundesärztekammer kritisierte im Januar 2026, es werde „trotz der Werbeverbote der §§ 9 und 10 Heilmittelwerbegesetz vielfach in offensichtlich unzulässiger Weise geworben“.

Was mit deinen Daten passiert

Ein Rezept verrät eine ärztliche Behandlung. Solche Gesundheitsdaten schützt die Datenschutz-Grundverordnung besonders (Art. 9 DSGVO). Bei einem großen Anbieter waren im Mai 2024 Rezepte mit Name, Adresse, Geburtsdatum und Krankenkasse über Suchmaschinen auffindbar; die Hamburger Datenschutzaufsicht hat den Fall in ihrem Tätigkeitsbericht festgehalten. Anfang 2026 konnten dort eingeloggte Nutzer laut heise online rund 1,7 Millionen Rezepte von etwa 500.000 Kundinnen und Kunden abrufen, das Unternehmen selbst sprach von bis zu 330.000 Betroffenen.

Datenlecks gibt es nicht nur bei Plattformen: 2024 lagen bei einer Verwaltungssoftware für Anbauvereinigungen Daten von über 1.000 Mitgliedern offen. Frag deshalb überall, wo du sensible Daten angibst, wer sie speichert und wie lange.

Wie viel über Online-Rezepte geht

Die Einfuhr von Medizinalcannabis ist seit April 2024 stark gestiegen: Nach Angaben des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte waren es 2024 rund 73 Tonnen und 2025 rund 205 Tonnen. Im zweiten Halbjahr 2024 lagen die Importe 170 Prozent über dem ersten, die Verordnungen über die Krankenkassen nur 9 Prozent. Bundesregierung, Bundesärztekammer und die wissenschaftliche Evaluation des Konsumcannabisgesetzes gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil über Online-Privatrezepte auch an Menschen ohne medizinischen Bedarf geht. Eine amtliche Zahl dazu gibt es nicht.

Woran du eine sorgfältige Behandlung erkennst

  • Du sprichst mit einer Ärztin oder einem Arzt, nicht nur mit einem Formular.
  • Gefragt wird nach Vorerkrankungen, anderen Medikamenten und bisherigen Behandlungen.
  • Du wirst über Risiken, Dosierung und das Fahren aufgeklärt.
  • Vor der Diagnose gibt es keine Werbung mit Sorten, THC-Gehalt und Preisen, keine Rabatte und keine Prämien für Empfehlungen.
  • Du erfährst, wer deine Daten speichert, wo das Unternehmen sitzt und welche Aufsicht zuständig ist.

Im Straßenverkehr

Der THC-Grenzwert gilt nicht, wenn das THC aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für dich verschriebenen Medikaments stammt. Fahrtüchtig musst du trotzdem sein, sonst machst du dich strafbar. Mehr dazu im Modul Straßenverkehr und Recht.

Ohne medizinischen Grund

Für Erwachsene ohne medizinischen Grund sind Eigenanbau und Anbauvereinigungen die einzigen legalen Wege. Was eine Anbauvereinigung ist und was sie darf, erklärt die Seite Was ist ein Cannabis Social Club? Ob dein Konsum dir schadet, zeigt der anonyme Selbsttest.

Quellen

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