Risiken im Überblick
Während der Wirkung
- Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Reaktionarbeiten schlechtergut belegt
- Unfallrisiko im Straßenverkehretwa 1,25- bis 2,66-fachgut belegt
- Angst, Panik, Verwirrtheithäufiger bei viel THCgut belegt
- Herzinfarkt in der ersten Stundevor allem bei Vorerkrankungenerste Hinweise
Bei häufigem Konsum über längere Zeit
- Abhängigkeitetwa eine von elf Personengut belegt
- Psychosenhöheres Risiko, besonders bei Anfälligengut belegt
- Husten und Bronchitisbeim Rauchengut belegt
- Gedächtnisbildet sich nach dem Aufhören weitgehend zurückgut belegt
- Angst und Depressionleicht erhöhtes RisikoUrsache offen
- Lungenkrebs durch Cannabisrauch alleinnicht belegt
Gut belegt: in vielen Studien bestätigt. Ursache offen: Es gibt einen Zusammenhang, aber unklar ist, was Ursache und was Folge ist. Erste Hinweise: bisher wenige Daten.
Während der Wirkung
Solange THC wirkt, arbeiten Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Bewegungssteuerung schlechter. Das ist gut belegt. Deshalb steigt das Unfallrisiko im Straßenverkehr: Übersichtsarbeiten kommen auf das 1,25- bis 2,66-Fache. Zusammen mit Alkohol ist die Fahrsicherheit noch stärker beeinträchtigt, und sie kann auch dann noch eingeschränkt sein, wenn sich der Rausch schon vorbei anfühlt.
Das Herz schlägt schneller. Studien deuten darauf hin, dass in der ersten Stunde nach dem Konsum das Risiko für einen Herzinfarkt steigt, vor allem bei Menschen mit Vorerkrankungen. Die Datenlage dazu ist noch begrenzt.
Möglich sind auch Unruhe, Angst, Panik und Verwirrtheit bis hin zu Verfolgungsideen. Das passiert häufiger bei wenig Erfahrung und bei viel THC, kann aber alle treffen. Bei manchen Menschen löst ein Rausch eine vorübergehende psychotische Episode aus.
Bei häufigem Konsum über längere Zeit
Atemwege
Wer raucht, hustet häufiger, hat mehr Auswurf und öfter eine chronische Bronchitis. Tabak im Joint schadet zusätzlich. Ob Cannabisrauch allein Lungenkrebs begünstigt, ist nicht belegt; für eine Form von Hodenkrebs zeigen Studien dagegen einen Zusammenhang.
Denken und Gedächtnis
Regelmäßiger Konsum verschlechtert vor allem das Gedächtnis. Nach dem Aufhören bilden sich diese Einschränkungen weitgehend zurück. Ob dauerhafte Schäden bleiben, ist umstritten.
Psychosen
Das Risiko steigt mit der Intensität des Konsums. Wer konsumiert und an einer Psychose erkrankt, erkrankt im Schnitt fast drei Jahre früher als Menschen ohne Konsum. Cannabis wirkt dabei als Auslöser bei Menschen, die ohnehin anfällig sind. Bei viel THC ist das Risiko besonders hoch.
Psychoserisiko im Vergleich zu Menschen ohne Konsum
Angst und Depression
Das Risiko ist leicht erhöht, aber nicht in allen Studien. Ob Cannabis die Ursache ist oder ob Menschen mit Angst oder Depression häufiger zu Cannabis greifen, ist offen.
Abhängigkeit
Ab wöchentlichem Konsum steigt das Risiko deutlich. In Deutschland erfüllten 2024 etwa 1 % der 18- bis 64-Jährigen die Kriterien einer Abhängigkeit. Wie eine Abhängigkeit entsteht, steht im Modul Wie Abhängigkeit entsteht.
Wie viele eine cannabisbezogene Störung entwickeln
Etwa eine von elf Personen, die jemals Cannabis genommen haben. Unter denen, die regelmäßig konsumieren, ist der Anteil höher.
Synthetische Cannabinoide
Eine tödliche Vergiftung durch Cannabis allein ist nicht belegt. Anders bei synthetischen Cannabinoiden, die Produkten unbekannter Herkunft beigemischt sein können: Ihre Wirkung ist kaum vorhersehbar, es gab Intensivbehandlungen und Todesfälle.
Risiken senken
Am sichersten ist, kein Cannabis zu nehmen. Wer konsumiert, kann die Risiken aber deutlich senken. Die folgenden Punkte stammen aus internationalen Leitlinien für risikoärmeren Konsum, das BIÖG empfiehlt sie Erwachsenen.
Risiken senken
Spät oder gar nicht anfangenJe später der Einstieg, desto besser. Das Gehirn reift bis etwa 25.
Weniger THCJe mehr THC und je weniger CBD, desto größer das Risiko für Abhängigkeit und Psychosen.
Nicht rauchen, kein TabakRauch schadet den Atemwegen, Tabak zusätzlich. Verdampfen belastet sie weniger. Nicht tief inhalieren und die Luft nicht anhalten.
Vorsicht bei EssbaremDie Wirkung kommt verzögert und schwer vorhersehbar. Wer nachlegt, riskiert eine ungewollte Überdosierung.
Selten statt täglichHöchstens ein- bis zweimal pro Woche. Täglicher Konsum über längere Zeit schadet Psyche und Körper.
Pausen einlegenLassen Gedächtnis oder Konzentration nach, weniger konsumieren oder eine Pause machen.
Herkunft kennenBei Cannabis unbekannter Herkunft ist der Wirkstoffgehalt unklar, es kann verunreinigt sein. Synthetische Cannabinoide sind besonders gefährlich.
Nicht mischenAlkohol, Tabak und andere Substanzen verstärken die Risiken. Bei Medikamenten vorher in der Apotheke oder Arztpraxis fragen.
Nicht fahrenWie lange du warten solltest, steht im Modul Straßenverkehr und Recht.
Wer besser verzichtetIn Schwangerschaft und Stillzeit, bei Psychosen in der Familie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder einer Suchterkrankung. Mehr unter Wer besser verzichtet.
Am riskantesten ist es, wenn mehreres zusammenkommt, etwa ein früher Einstieg, häufiger Konsum und viel THC. Fällt es schwer, sich an diese Punkte zu halten, hilft ein Blick in den Selbsttest oder ein Gespräch mit einer Beratungsstelle.
Einordnen
Die Risiken wachsen mit Häufigkeit, Menge und THC-Gehalt, mit frühem Beginn und bei psychischer Vorbelastung. Wie es um deinen Konsum steht, zeigt der Selbsttest. Wer besser ganz verzichtet, steht im Modul Wer besser verzichtet.
Quellen
- Bundesministerium für Gesundheit (2017): Kurzbericht „Cannabis: Potenzial und Risiken“ (CaPRis)
- National Academies of Sciences (2017): The Health Effects of Cannabis and Cannabinoids
- drugcom.de (BIÖG): Drogenlexikon, Eintrag Cannabis
- NIDA (2024): DrugFacts Cannabis
- DHS: Cannabis, Zahlen, Daten, Fakten (ESA 2024)
- cannabispraevention.de (BIÖG): Gesundheitliche Aspekte
- drugcom.de (BIÖG): Welche Safer-Use-Empfehlungen für weniger schädlichen Cannabiskonsum gibt es (für Erwachsene)?
- Fischer u. a. (2022): Lower-Risk Cannabis Use Guidelines (LRCUG), International Journal of Drug Policy 99, 103381