Wie Probleme entstehen
Nicht alle, die Cannabis konsumieren, bekommen Probleme. Ob es dazu kommt, hängt von der Person, der Substanz und dem Umfeld ab. Das Risiko steigt, wenn Cannabis gezielt eingesetzt wird, um abzuschalten, Gefühle zu dämpfen oder Probleme zu vergessen. Mehr dazu im Modul Wie Abhängigkeit entsteht.
Zeichen, auf die du bei dir achten kannst
Fachleute beschreiben eine Cannabiskonsumstörung anhand von elf Kriterien aus dem DSM-5, dem Klassifikationssystem der amerikanischen Psychiatrie. In Alltagssprache:
Kontrolle
- Du konsumierst mehr oder länger, als du vorhattest.
- Du willst weniger konsumieren oder aufhören, schaffst es aber nicht.
- Beschaffen, Konsumieren und Erholen kosten viel Zeit.
- Du hast ein starkes Verlangen nach Cannabis.
Alltag und Beziehungen
- Pflichten in Arbeit, Ausbildung oder Familie bleiben liegen.
- Du konsumierst weiter, obwohl es deshalb Streit oder Probleme mit anderen gibt.
- Hobbys, Freundschaften oder Sport treten zurück.
Risiko
- Du konsumierst in gefährlichen Situationen, etwa vor dem Autofahren.
- Du konsumierst weiter, obwohl du merkst, dass es dir körperlich oder psychisch schadet.
Körper
- Du brauchst mehr, um die gleiche Wirkung zu spüren.
- Ohne Cannabis geht es dir schlecht (Entzug, siehe unten).
Wie Fachleute das einordnen
Treffen innerhalb von zwölf Monaten zwei bis drei dieser Punkte zu, sprechen Fachleute von einer leichten Störung, bei vier bis fünf von einer mittleren und ab sechs von einer schweren. Eine Diagnose stellen nur Ärztinnen und Ärzte oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Die Liste hilft dir aber, ehrlich hinzuschauen.
Entzug
Wer lange und viel konsumiert hat, kann beim Aufhören oder Reduzieren Entzugszeichen spüren: Reizbarkeit, innere Unruhe, Nervosität, Schlafprobleme, weniger Appetit, gedrückte Stimmung und körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Schwitzen. Das ist unangenehm, aber ein Zeichen dafür, dass sich der Körper wieder umstellt.
Wenn du Zeichen bei anderen bemerkst
Was anderen auffallen kann
Schule, Ausbildung, ArbeitDie Leistungen werden plötzlich schlechter, häufiges Fehlen oder Zuspätkommen.
FreundeskreisEr verändert sich, es gibt Probleme mit Freundinnen und Freunden.
FamilieEs gibt mehr Probleme zu Hause.
FreizeitInteressen und Hobbys werden aufgegeben.
StimmungSchwankungen, Rückzug, Lustlosigkeit, Gleichgültigkeit.
HeimlichkeitLügen oder Ausreden, um den Konsum zu verbergen.
Solche Zeichen können auch andere Ursachen haben. Sie sind ein Anlass für ein Gespräch, keine Diagnose.
Sprich in einem ruhigen Moment an, was du beobachtest, ohne Vorwürfe. Frag nach und hör zu. Beratungsstellen beraten auch Angehörige und den Freundeskreis.
Wann du Hilfe dazuholst
- Du machst dir SorgenAnsprechenIn einem ruhigen Moment, ohne Vorwurf. Wie das gelingt, steht im Modul Sorge ansprechen.
- Die Probleme wachsenBeratung einschaltenWenn Geld, Arbeit, Schule oder Beziehungen leiden oder Versuche aufzuhören scheitern. Beratung gibt es auch für Angehörige.
- Krise oder LebensgefahrSofort Hilfe holenTelefonSeelsorge 0800 111 0 111, rund um die Uhr und kostenfrei. Im Notfall 112.
Was du tun kannst
Mach den Selbsttest, schreib unseren Präventionsbeauftragten anonym oder wende dich an eine Beratungsstelle.
Quellen
- American Psychiatric Association (2013): Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, 5. Auflage (DSM-5), Kriterien für Cannabiskonsumstörung und Cannabisentzug
- drugcom.de, Angebot des BIÖG: Drogenlexikon, Eintrag Cannabis
- Gesundheits- und Jugendschutzkonzept des Vereins, Abschnitte Substanzgebrauchsstörung und Entstehung
- cannabispraevention.de (BIÖG): Kiffen, Risiken und Suchtgefahr
- BIÖG (2025): Elterninfo Cannabis
- Gesundheits- und Jugendschutzkonzept des Vereins, Gesprächsleitfaden
- DHS: Suchtberatung
- TelefonSeelsorge Deutschland