Veränderung braucht Zeit
Menschen verändern ihr Verhalten selten auf einen Schlag. Fachleute beschreiben Stufen, die viele mehrmals durchlaufen. Hin- und hergerissen zu sein ist dabei normal: Gründe für und gegen eine Veränderung stecken schon in der Person. Wer ihr gegenüber nur für die Veränderung argumentiert, erreicht oft das Gegenteil.
Stufen der Veränderung
- Absichtslosigkeit„Ist doch kein Problem.“
- Absichtsbildung„Eigentlich müsste ich, aber …“
- Vorbereitung„Ich plane etwas.“
- Umsetzung„Ich ändere gerade etwas.“
- Aufrechterhaltung„Ich bleibe dran.“
Rückfälle gehören dazu: Viele durchlaufen die Stufen mehrmals, bevor eine Veränderung hält. Hilfe wirkt am besten, wenn sie zur Stufe passt.
So sprichst du es an
Soll ich es ansprechen?
Was dafür spricht
- Du willst helfen.
- Du willst verhindern, dass es schlimmer wird.
- Nachfragen schadet nicht.
Was dich zögern lässt
- Ich könnte mich irren.
- Es könnte unsere Beziehung belasten.
- Ich will mich nicht einmischen.
- Ich traue mir das nicht zu.
Beides zu spüren ist normal, und dem Gegenüber geht es oft genauso. Du darfst beides sagen: „Ich weiß nicht, ob ich richtig liege, aber ich mache mir Sorgen um dich.“
Der passende Moment
Eher günstig
- Ihr seid beide nüchtern.
- Es ist ruhig, ihr habt Zeit und seid ungestört.
- Du hast dir vorher überlegt, was du sagen möchtest.
Eher ungünstig
- Die Person hat gerade konsumiert.
- Ihr streitet, oder du bist selbst aufgebracht. Dann lieber später.
- Andere hören zu.
- Überleg dir vorher, was dich besorgt und was du sagen möchtest. Konsumierst du selbst, denk vorher über deinen eigenen Konsum nach, denn danach wirst du wahrscheinlich gefragt.
- Wähl einen ruhigen Moment, in dem ihr beide nüchtern seid, und einen Ort, an dem ihr ungestört seid.
- Sprich in Ich-Botschaften und beschreib, was du beobachtest, ohne Vorwurf: „Ich mache mir Sorgen, weil mir aufgefallen ist, dass du kaum noch rausgehst.“
- Sprich das Verhalten an, nicht die Person.
- Stell offene Fragen, hör zu, lass ausreden. Keine Moralpredigt, keine Diagnose.
- Frag, bevor du einen Rat gibst: „Darf ich dir sagen, was mir dazu einfällt?“ Ungefragte Ratschläge prallen meist ab.
- Rechne mit Abwehr und nimm sie nicht persönlich. Du musst niemanden zu einem Eingeständnis drängen.
- Würdige, was gut läuft und was die Person schon versucht hat.
- Biete Unterstützung an. Vereinbart, wenn es passt, etwas Konkretes, das sich überprüfen lässt, etwa ein zweites Gespräch in einer Woche. Die Entscheidung über eine Veränderung liegt bei der Person.
Was ein Gespräch trägt
Einfühlen, nicht mitleidenVersuch zu verstehen, wie es der Person geht, ohne selbst mit unterzugehen.
Verstehen heißt nicht gutheißenDu kannst die Gründe nachvollziehen und trotzdem besorgt sein.
Zuhören und zusammenfassenSag in eigenen Worten, was du gehört hast. So merkt die Person, dass sie ankommt.
Andere Sicht stehen lassenDie Person darf die Lage anders sehen als du.
Stärken sehenSprich an, was gelingt und was du dir für die Zukunft wünschst, statt Fehler aufzuzählen.
Miteinander redenSprich mit der Person, nicht mit anderen über sie.
Fragen, die ins Gespräch führen
Geschlossen: endet oft bei Ja oder Nein
- „Kiffst du zu viel?“
- „Hast du ein Problem?“
Offen: lädt zum Erzählen ein
- „Wie geht es dir gerade?“
- „Was hat dich dazu gebracht?“
- „Wann hast du gar kein Bedürfnis danach?“
- „Wer oder was könnte dir helfen?“
- „Wann wäre für dich ein guter Zeitpunkt?“
- „Erzähl doch mal.“
Du musst das nicht allein stemmen. Hol dir vorher Rat bei einer Beratungsstelle, oder überlass das Gespräch jemandem, der der Person näher steht.
Deine Grenzen
Es gibt keinen Trick, der jemanden überzeugt. Veränderung beginnt erst, wenn die Person selbst ein Problem sieht. Sag klar, was du nicht mitmachst und was dann passiert, und bleib dabei. Entschuldige kein Verhalten, das dir schadet. Angehörige rutschen leicht in Muster, die den Konsum eher stützen: vertuschen, verharmlosen, Aufgaben der anderen Person übernehmen. Dagegen hilft, sich selbst Unterstützung zu holen.
Hilfe, auch für dich
Suchtberatung ist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch anonym, die Beraterinnen und Berater haben Schweigepflicht. Du brauchst weder Diagnose noch Antrag noch Krankenversicherung, und die Beratung ist ausdrücklich auch für Angehörige und den Freundeskreis da, auch wenn die betroffene Person selbst keine Hilfe will. Beratungsstellen vermitteln bei Bedarf weiter: in eine Entgiftung, eine Therapie oder eine Selbsthilfegruppe.
- DROBS Dortmund, Reinoldistraße 17-19, 0231 477376-0, auch für Angehörige
- Sozialpsychiatrischer Dienst der Stadt Dortmund, Hoher Wall 9-11, 0231 50-22534, mit Angehörigengruppen
- DigiSucht: Online-Beratung per Nachricht, Chat oder Video, kostenlos und anonym
- Sucht & Drogen Hotline: 01806 313031, täglich 8 bis 24 Uhr, 0,20 € pro Anruf
Weitere Stellen, Telefon- und Onlineangebote stehen unter Hilfe finden. Unsere Präventionsbeauftragten erreichst du anonym über SimpleX oder per E-Mail an [email protected].
Quellen
- Finne und Paul (2026): Erklärungs- und Veränderungsmodelle, BIÖG-Leitbegriffe
- DHS (2021): Manual für die Beratung am Telefon
- MINT: Understanding Motivational Interviewing
- DigiSucht (2024): Suchtproblem im Umfeld, Tipps für ein gelingendes Gespräch
- drugcom.de (BIÖG): Hilfe für Familie und Freunde
- cannabispraevention.de (BIÖG): Handlungstipps für Eltern
- BIÖG (2025): Elterninfo Cannabis
- Gesundheits- und Jugendschutzkonzept des Vereins, Gesprächsleitfaden
- Gesundheits- und Jugendschutzkonzept des Vereins, Gesprächshilfen
- Schulung der Präventionsbeauftragten des Vereins (2024)
- DHS: Suchtberatung
- Stadt Dortmund: Sozialpsychiatrischer Dienst